(Foto: Shutterstock)
Didaktisches Konzept in der Vermittlung der Psychodynamischen Psychotherapie (Jungclaussen, 2016):
These: Eine erfolgreiche didaktische Vermittlung des komplexen Themenfeldes der Psychoanalyse/Tiefenpsychologie stellt eine besondere Herausforderung dar, wenn sie nicht als schwer verständlich, abgehoben oder gar elitär erlebt werden soll.
Meine Erfahrung zeigt, dass bei der erfolgreichen Vermittlung der Psychoanalyse folgende zentrale Aspekte zu berücksichtigen sind.
In der didaktischen Auseinandersetzung mit der Psychodynamischen Psychotherapie, gleich im Kontext von Büchern, Seminaren oder E-Learning, entwickelten sich für mich folgende didaktische Leitlinien:
(Die Überlegungen beziehen sich auf die Vermittlung der fachwissenschaftlichen Theorien und Konzepte der Psychodynamischen Psychotherapie)
10 Axiome der Didaktik der Psychodynamischen Psychotherapie
10 didaktisch-konzeptionelle Grundüberlegungen als Beitrag der Didaktik zu Grundfragen der theoretischen Vermittlung der Psychodynamischen Psychotherapie – Chancen für Innovation im Kontext der Direkt-Ausbildung.
-
Meta- und Multi-Perspektivisch:
In der Psychoanalyse gibt es eine Vielzahl an theoretischen Orientierungen. Jede Theorie betrachtet den Mensche aus einer bestimmten Perspektive, z.B. aus Sicht des Triebes, des Ichs, der inneren Objektbeziehungen oder aus Sicht des Selbst. Karl König meint vor diesem Hintergrund: “In der Psychoanalyse haben wir bis dato kein überzeugendes Modell, das alle aus verschiedenen Perspektiven beobachteten und beobachtbaren Phänomene integrieren könnte. Vielleicht ist der Wunsch, ein solches Modell zur Verfügung zu haben, Ausdruck der Jagd nach einer Utopie; der Utopie, die menschliche Psyche in ihrer Komplexität aus einer Perspektive erfassen zu können. Vielleicht wird uns die Integration mehrerer Perspektiven für immer unmöglich bleiben, ähnlich wie es unmöglich ist, eine Stadt aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig zu erfassen. Unsere Betrachtungsweise muss vielleicht auf das Sequenzielle beschränkt bleiben.” (König 2004, In: Charakter, Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung, S. 27). Wenn man dem Leser also innerhalb dieser Diversifizierung eine Orientierung geben möchte, ist es vor diesem Hintergrund notwendig eine übergeordnete Sicht einzunehmen, in der auch eine multi-perspektivische Sicht möglich wird. Aus dieser Metaperspektive wird es dann möglich unterschiedliche Modelle vor dem Hintergrund ihrer theoretischen Orientierung einordnen und so besser verstehen zu können. Es geht um Unabhängigkeit durch Einnehmen einer Vogelperspektive. (didaktisches Prinzip der Metaebene)
-
Anschaulichkeit:
durch die Nutzung unterschiedlicher und adäquater Darstellungsformen/ Medien: visuell, dynamisch-animiert, akustisch, filmisch, humorvoll, E-Learning. (didaktisches Prinzip der Anschaulichkeit und der multimodalen Darbietung des Lernstoffes)
-
Komplexitätsreduzierend:
Komplexitätsreduktion bzw. Elementarisierung, u. a. durch visuelle, strukturierende und heuristische Elemente. (didaktisches Prinzip der didaktischen Reduktion & Prinzip der Heuristik)
-
Abgrenzend und integrierend:
Abgrenzungen und Zusammenhänge innerhalb der Diversifizierung in den psychoanalytischen Theorien verdeutlichen und scheinbar Unzusammenhängendes zusammenbringen (didaktisches Prinzip der Ganzheit und Prinzip der Mehrperspektivität)
-
Einfühlend, antizipierend & vernetzend:
Empathie-Fähigkeit gegenüber den Lernenden entwickeln, d. h. u. a. unterschiedliches Vorwissen und Verständnis-Barriere antizipieren, mentalisieren und Vernetzungs-Brücken bauen.(Prinzip des „Visible Learning“ nach Hattie, sprich der Fähigkeit sich in die Denk- und Lernwelt der Lernenden hineinversetzen zu können)
-
Dialogisch:
Zugewandte dialogische leicht verständliche Sprache in offenem konstruktivem Lernklima. (Prinzip der Individualisierung bzw. Lerner-Orientierung)
-
Transparenz:
Transparenz bzw. Übersicht über die Lernziele am Anfang einer Einheit (didaktisches Prinzip der Strukturierung und Progression; Advance Organizer) Transparenz bedeutet auch als Autor transparent deutlich zu machen vor welchem theoretischen Hintergrund man seine Überlegungen ausführt. Das ermöglicht dem Leser eine bessere Einordnung.
-
Übend:
Übende Elemente/Wissensfragen zur Festigung und Überprüfung des Erlernten. (didaktisches Prinzip der Wiederholung und Variation
-
Affektiv:
Durch den Einsatz von affektiv-lustvollen Elementen kann man vielen Menschen den Zugang zur Psychoanalyse erleichtern, z.B. durch Cartoons und satirischen Elementen kann die Auseinandersetzung lustvoller und der Psychoanalyse die „Schwere“ genommen werden. (Neurodidaktisches Prinzip, dass sich ein Gegenstand einfacher lernen lässt, wenn er neuronal affektiv positiv assoziiert und verknüpft ist)
-
Eigenaktiv:
Erzeugen von eigenen (!) Verstehensprozessen sowie eigenaktiver Lernorientierung, statt passivem Rezipieren tradierter Inhalte (didaktisches Prinzip der Selbsttätigkeit und Handlungsregulation)
Dr. Ingo Jungclaussen (2016; 2025 bearbeitet und mit Icons ergänzt)
Icons Quelle: https://thenounproject.com